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Aufruf – Schule, so nicht! Wir brauchen eine Transformation – einen Kulturwandel.

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Herausgegeben von in Schultransformation ·
In Deutschland gibt es eine Schulanwesenheitspflicht.

‘Schulpflicht’
In einigen Landesverfassungen und der Schulgesetzgebung der Länder geregelte Pflicht, für alle dort wohnenden Kinder und Jugendlichen, zu einem Mindestschulbesuch. Die Schulpflicht ist an einer öffentlichen Schule oder einer anerkannten Privatschule zu erfüllen. Die Schulpflicht beginnt je nach Bundesland mit Vollendung des 5.–7. Lebensjahres zu einem Stichtag (z. B. 30. 6.); die Einschulung in die Grundschule kann durch den Besuch eines Schulkindergartens verschoben oder durch die Einschulung in die Sonderschule ersetzt werden. Die Dauer der Schulpflicht beträgt zwölf Jahre…”


Und es gibt ein Grundgesetz:

I. Die Grundrechte
Artikel 1
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.
Artikel 2
(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.


Und weiter heißt es im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB):

§ 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge
(2) Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.

Und in der UN -Kinderrechtskonvention:

Artikel 29 – Bildungsziele; Bildungseinrichtungen
Die Vertragsstaaten stimmen darin überein, dass die Bildung des Kindes. darauf gerichtet sein muss,
  • die Persönlichkeit, die Begabung und die geistigen und körperlichen Fähigkeiten des Kindes voll zur Entfaltung zu bringen;


Schnell wird also klar, dass die Schulpflicht mit diesen anderen Gesetzen im Widerspruch zueinander stehen. Das hat auch dieser Lehrer festgestellt:
‘Für Kinder ist Schule ein Machtapparat, dem sie per Gesetz ausgeliefert sind (Schulpflicht!), und der sie dafür bestraft, dass sie sich dagegen wehren (meistens unbewusst), ein bloßer Eimer zu sein, der gefüllt werden soll. Für die Gewalt, die sie dabei erfahren, hat der norwegische Friedensforscher Johan Galtung den Ausdruck „strukturelle Gewalt“ geprägt. Hier ist eine Definition:
Strukturelle Gewalt umfasst gesellschaftliche, wirtschaftliche oder kulturelle Strukturen und Bedingungen, die Individuen oder Personengruppen daran hindern, ihre Potenziale und Möglichkeiten voll zu entfalten.
Viele mögen jetzt protestieren. Wie kann Schulpflicht Gewaltanwendung sein, wenn sie doch dem Wohl des Kindes dient? – Ich meine, dass sie schon von der Semantik her Gewalt gegen Kinder impliziert. Pflicht bedeutet nämlich „Du musst, und wenn Du nicht willst, dann wirst Du gezwungen“.’

Die Forschung hat schon lange festgestellt, dass physischer Schmerz genauso wie körperlicher Schmerz empfunden wird:

‘Auch bei psychischen Langzeitfolgen fanden die Wissenschaftler keine grundsätzlichen Unterschiede zwischen rein körperlicher und psychischer Folter. Vor allem die Beeinträchtigung des Wohlbefindens, wie Isolation oder Drohungen, hatten ähnliche Folgen wie körperliche Misshandlungen.’, heißt es in einem Artikel zu einer Studie die mit 279 Opfer von Folter und Gewalt aus den Bürgerkriegen im ehemaligen Jugoslawien durchgeführt wurde. Weiter im Artikel heißt es unter der Nennung weiterer Studien,
‘Wie schnell Eltern, oftmals ohne es zu ahnen, ihren Nachwuchs psychisch und emotional misshandeln, verdeutlicht der Blick auf die wissenschaftliche Definition des Begriffs. Schon die Wiederholung von Drohungen und Einschüchterungen, permanente Kritik oder Ablehnung gegenüber ihren Sprösslingen fallen in diese Kategorie. ‘


Ohne dem Herausgeber des Artikels zu nahe treten zu wollen, ergänzen wir im oberen Abschnitt hinter Eltern, “Lehrer, sowie andere Menschen, die mit dem Kind Zeit verbringen”. So wird das Ausmaß der momentanen Gewaltlage in Schulen, noch erheblich verstärkt, bewusst.
Was also mit diesem Wissen anfangen? Wir müssen uns bewusst machen, dass wir so nicht mehr weitermachen wollen und können. Statt dauernden Reformen appellieren wir daran, dass komplette System zu hinterfragen und zu ändern.

‘Ich halte die Entwicklung nicht für bedenklich, sondern ich glaube, daß wir in einem Zeitpunkt angekommen sind, an dem wir uns entscheiden müssen. Wenn wir so weitermachen wie bisher, dann wird es uns und diesen Planeten nicht lange geben. Ich habe die Hoffnung, dass die Menschen in der nächsten Zeit zu der Einsicht gelangen, daß sie ihr Leben – die Art und Weise, wie sie zusammenleben – ändern müssen. … Im Konkurrenzmodell werden Menschen zu Objekten von Bewertungen, Erwartungen, Belehrungen, Absichten, Zielen und Maßnahmen. So findet keine Potentialentfaltung, kein Austausch, keine Begegnung statt. Diese sind nur bei Anerkennung des Menschen als Subjekt möglich, wodurch Co-Kreativität stattfinden kann als Austausch, Zusammenwirken, Teilen von Erfahrungen und Wissen. Erst durch das Teilen von Wissen mit anderen wird dieses Wissen richtig und zutreffend. Empathie muss erfahren werden und darf nicht einfach nur gefordert werden. Und dies ist in hierarchischen Systemen mit Menschen als Objekten wie etwa der Schule mit dem Lehrer-Schüler-Verhältnis – nicht möglich. Der Schüler erlebt dies so, dass er nicht gesehen wird. Er macht nun den Lehrer zum Objekt und es ist kein Austausch mehr möglich.’


Nun gilt es zu handeln! Ich habe damals selber als ‘Kleine-Menschen-Begleiter’ (Erzieher) gearbeitet, doch habe ich mittlerweile meinem Ausbildungsberuf den Rücken zugewandt.
Und ich sehe es genau so:

‘In meiner Ausbildung zur Erzieherin habe ich viel gelernt. Wenn ich erst nehme, was Wissenschaftler aus Neurologie, Psychologie und Soziologie sagen, kann ich meine Kinder nicht zur Schule schicken. Denn ich traue es mir nicht zu, als Mutter eine zwölfjährige Schullaufbahn zu begleiten.’


Ich will nicht, dass Kinder wie Objekte behandelt werden und durch die 12 Jahre Schulpflicht ‘gedrückt’ werden. Als Mutter zweier Mädchen belastet mich der Gedanke emotional sehr.

Als ich an diesem Morgen mit ihm vor dem Schulhaus stand,
Unter dem Arm die grosse bunte Tüte,
Da spürt‘ ich seine kleine, heisse Faust in meiner Hand
Und wusste, dass er ahnte, was ihm blühte.
Mein erster Schultag endete in einem Tränenmeer,
Doch hatte ich nie vor ihm davon gesprochen –
Wie wurde schon am ersten Tag mein Ranzen mir so schwer –
Doch schlau hatte er den Braten längst gerochen.
Und als die anderen Kinder mit der Lehrerin fortgingen,
Hab‘ ich seine Verzweiflung und Verlassenheit gespürt
Und musst‘ ihn flehend, bittend dennoch in die Klasse bringen
Und fühlte mich, wie wenn man ein Kälbchen zur Schlachtbank führt.
Es gab nur Liebe und Versteh‘n, gab nur Freiheit bislang,
Und nun droh‘n Misserfolge und Versagen.
Der Wissensdurst versiegt unter Bevormundung und Zwang,
Die Gängelei erstickt die Lust am Fragen.
Die Schule macht sich kleine graue Kinder, blass und brav,
Die funktionier‘n und nicht infragestellen,
Wer aufmuckt, wer da querdenkt, der ist schnell das schwarze Schaf.
Sie wollen Mitläufer, keine Rebellen,
Ja-Sager wollen sie, die sich stromlinienförmig ducken,
Die ihren Trott nicht stör‘n durch unplanmäss‘ge Phantasie,
Und keine Freigeister, die ihnen in die Karten gucken
Und die vielleicht schon ein Kapitel weiter sind als sie.
Wie oft bist du in all den Jahren aus dem grauen Tor
Bemäkelt und getadelt rausgekommen,
Wie oft habe ich ahnungsvoll und stillschweigend davor
Den Delinquenten in den Arm genommen!
Wie oft hab‘ ich den Spruch gehört: Ihr Sohn hat nur geträumt,
Ihr Sohn hat mit Papierfitzeln geschossen,
Ihr Sohn hat trotz Ermahnung seinen Platz nicht aufgeräumt,
Ihr Sohn hat sein Tuschwasser ausgegossen!
Und nie: Ihr Sohn ist vor der ganzen Klasse aufgestanden
Für einen, den sie peinigten und quälten bis auf‘s Blut!
In dieser Welt kommen uns die wahren Werte abhanden,
In dieser Schule gibt es kein Fach Menschlichkeit und Mut.
Manchmal wünscht‘ ich, wir wär‘n an diesem Tag nicht mitgegangen
Und lieber, wie im Kinderlied, zu Doc David nach Fabuland.
Du hättest nicht nochmal an jener Stelle angefangen,
Wo ich schon einmal stand – die Faust in meines Vaters
Hand!

Sicher, ist es gibt auch tolle Lehrer und Schulen, doch leider kommen alle immer wieder an ihre Grenzen – gerade was die Bindung zwischen dem Schüler und dem Lehrer angeht.
Dabei wird, wie zahlreiche empirische Studien belegen, Bildung und Lernen nachweislich sowohl durch positive wie auch durch unzureichende Bindungserfahrungen der Kinder im Elternhaus und in der Schule gefördert bzw. beeinträchtigt, und ebenso spielen die Bindungserfahrungen der Lehrerin oder des Lehrers eine bedeutende Rolle beim Transfer von Wissen vom Lehrer zum Schüler…..Das heutige Schulsystem aber ist – vielleicht bis auf die ersten beiden Grundschulklassen – eher bindungsvermeidend organisiert und angelegt. Überfüllte Klassenräume, hierarchische Strukturen, der erzwungene Gleichschritt im Lernen und eine permanente Bedrohung durch schlechte Noten durchkreuzen dabei die positiven Bindungserfahrungen von Kindern und sind besonders bei bindungsunsicheren Kindern geradezu kontraproduktiv. Hinzukommt, dass in der Lehrerausbildung emotionale Prozesse, wie sie sowohl auf Seiten der Schüler wie auch auf Seiten der Lehrer stattfinden, aus dem traditionellen didaktischen Dreieck mehr oder weniger bewusst herausgehalten werden. Dieses wird eher danach definiert, dass es im Unterricht hauptsächlich um die Sache, also die Beziehung zum Lerngegenstand geht, dem die Beziehung zwischen Schüler und Lehrer untergeordnet wird.


Es gibt auch gute Privatschulen, die mit perfekten, bis ins Detail ausgeklügelten Konzepten glänzen, angelehnt an die neuesten Erkenntnisse aus der Forschung. Aber wir müssen uns bewusst machen, dass wir kein ‘Pflaster auf die Wunde kleben können und nur hoffen, dass alles ein bisschen besser wird’. Ich habe damals ebenfalls an einer Schulgründung gearbeitet, aber damit verfehlen wir das eigentliche Ziel.

‘Ich rede von gefährlichen Entwicklungen, die wir heute noch aufhalten können. Seit Bekanntwerden der Pisa-Studie ist die Zahl der Kinder, die in Privatschulen gehen, rasant gestiegen. Wenn das so weitergeht, werden zumindest in der Mittelschicht irgendwann mehr Kinder auf private als auf öffentliche Schulen gehen. Dann haben wir die Zweiklassengesellschaft ab der Grundschule.’

Eine weitere Spaltung der Gesellschaft – das kann keine Lösung auf lange Sicht sein. Ergo: Wir müssen das ganze System am Schopfe packen.

Ich würde niemals Kultusminister werden, weil ich glaube, dass diese Art von Veränderung […] keine Revolution [ist]. Das ist eine Transformation, das ist ein Kulturwandel. Und diesen Kulturwandel können niemals Politiker von oben verordnen. Den muss man unten vor Ort in den Schulen selbst erfinden. Und erst wenn das funktioniert, dann ändern sich Schulen, und deshalb sind eigentlich die Menschen im Land aufgerufen (und nicht die Kultusminister), Schule endlich anders zu machen.

Anstatt sich also nur zurückzulehnen und alles hinzunehmen rufe ich hiermit alle auf: Kinder, Eltern und auch die Lehrer und Schulleiter!
Denn jeder leidenschaftliche Lernbegleiter wird es genauso sehen: Schule muss sich ändern!
Und wie geht das?

Es kommt deshalb darauf an, dass diejenigen, die eine Bildungsrevolution wollen, sich auch so gut organisieren.

Doch uns rennt die Zeit davon… die Kinder von JETZT brauchen doch auch eine Lösung! Was bringt es diesen Kindern, nur die Schule in entfernter Zukunft zu revolutionieren, wenn es für sie ums Hier und Jetzt geht?
Die Schulanwesenheitspflicht steht immer noch dem Konzept der freien Entfaltung im Wege – das ‘Muss’ zur Schule bleibt! Denn sei sie noch so gut; dem Kind wird die Entscheidung abgenommen.

‘Einige der besonders wohlmeinenden Menschen denken, das System Schule müsse reformiert werden, um an die Erfordernisse der Zeit angepaßt zu werden. Dennoch sind offensichtlich jedoch weniger Menschen als je zuvor weiter bereit, soviel Grausamkeit hinzunehmen: Nicht deshalb, weil sie einen besseren Plan in Gestalt eines pädagogischen Projekts durchsetzen wollten oder weil sie in ihrem Nachwuchs das Geniale und Göttliche sähen; sondern womöglich schlicht deshalb, weil eben ihre Töchter oder Söhne ein deutliches „Nein!“ artikuliert haben: verbal oder beispielsweise psychisch/körperlich – und sie selbst nicht bereit sind, diese Botschaft zu ignorieren.’


Wir haben derzeit als Eltern zwei Möglichkeiten:
Wir verlassen das Land und begehen “Bildungsflucht”. Nebst sozialer Ausgrenzung und anderen Problemen haben wir aber wieder das Problem, dass wir hier nur Symptome, nicht aber die Ursache bekämpfen.
Das bringt uns zur zweiten Möglichkeit  – die eigentlich ganz einfach ist:
Wir nehmen die oben aufgeführten Gesetzestexte beim Wort. Wir nehmen unsere Kinder ernst.
‘Wir verweigern uns der Aufforderung, (junge) Menschen zu etwas zu zwingen, wozu sie ausdrücklich „Nein!“ sagen. Wir sind nicht mehr bereit, sie an Orte zu bringen, zu denen sie sagen „Ich will da nicht hin!“
…Kein Staat, der sich laut Grundgesetz zum Frieden und zur Gewaltlosigkeit verpflichtet hat, keine staatliche Instanz oder Behörde, kein Amt, kein Gericht kann und darf uns dazu verpflichten, Gewalt auszuüben. Aus derselben Haltung heraus können wir auch nicht hinnehmen, dass von diesem Staat Gewalt ausgeht, weder gegenüber jungen Menschen noch gegenüber deren Müttern und Vätern oder anderen sie begleitenden Menschen, indem sie kriminalisiert oder pathologisiert werden (etwa durch die Bezeichnung „erziehungsunfähig“).’

Vielleicht wäre ein Schulstreik wie dieser interessant —->

Abschließend möchte ich betonen, dass die Abschaffung der Schulpflicht auch weitere Chancen bietet: Schulen müssen sich der Herausforderung stellen genug attraktiv zu werden um mit dem Lernen in der echten Welt mithalten zu können. Lernbegleiter würden leidenschaftlich nur noch das tun, was ihre Berufung ist: Einen jungen Menschen auf seinem Weg begleiten!
Kein Bildungsplan, keine Noten und Zensuren, kein Wettbewerb oder andere -von Anderen auferlegten – Pflichten. Einzig die eigenen, mit dem Kind gemeinsam gefundenen Strategien, das Leben zu verstehen – und zu leben!

‘Lernen muss so schön sein, dass Kinder weinen, wenn sie Ferien haben. Und Kindheit muss so schön sein, dass man ein Leben lang davon zehrt.’ (Gerald Hüther)

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Ann-Kathrin Prelle

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